Die Sache mit dem Kinderwunsch - Wenn man den gesellschaftlichen Konditionen nicht entspricht

Nachdem sich die letzten Tage stark um ein spezielles Thema drehten, richte ich mich heute an euch. An jene, die sich für das Thema interessieren aber ganz besonders an jene, die ähnlich denken wie ich.

Ich habe mich lange Zeit kaum getraut, mit jemandem über dieses Thema zu reden.

Unsere Gesellschaft ist tragischerweise noch nicht modern genug, um Frauen zu akzeptieren, die keine Kinder wollen. Männer, die keine Kinder wollen? Total normal. Frauen? Oh Gott, nein!

Wenn man dann doch mal jemandem davon erzählt, heißt es eben "Du wirst deine Meinung schon noch ändern." oder man wird als egoistisch, kaltherzig und krank bezeichnet. Wieso? Menschen treffen so viele Entscheidungen. Sind wir dafür nicht geboren? Macht uns das nicht aus? Wieso wird man heutzutage für Entscheidungen verurteilt, die man individuell und nicht einmal zum Leidwesen anderer trifft?

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Ich erinnere mich an keinen Moment, in dem ich wirklich gesagt habe "Ich will später Kinder."

In der Zeit als ich mit Max zusammen war, hatte ich schon das Gefühl, niemals Mutter werden zu wollen. Dennoch hoffte ich, dass sich diese Einstellung ändert. "Alaysia" sollte unsere Tochter heißen, falls wir irgendwann eine bekommen. Ich weiß nicht mehr, wie wir auf den Namen kamen. Damals versuchte ich noch, die Lebenseinstellung, die sich in mir anbahnte, zu ignorieren. Wir redeten viel über "Alaysia" .. Max schrieb Märchen für sie, für später, wenn sie mal existiert.

Es folgten viele Jahre. Mein Entschluss wurde fester. Die Abneigung, die ich Kindern gegenüber verspüre, wächst. Ich mag Kinder nicht. Ja, natürlich würde ich mein eigenes Kind wahrscheinlich mögen, aber was bringt es, ein Risiko auf Kosten eines anderen Menschen einzugehen?

"Aber Babys sind doch so süß!" Finde ich nicht. Ich finde Babys weder niedlich noch schön. Weder süß noch "zum knuddeln".

"Aber ein Kinderlachen ist doch das allerschönste!" Für euch, ja. Nicht aber für mich. Ich mag weder die Geräusche noch den Anblick.

Für mich ist sicher: Ich will später keine Mutter werden.

Selbstverständlich ist es immer möglich, dass sich doch ein Kinderwunsch entwickelt. Doch - nun, da mein aktueller Freund (wegen meiner Entscheidung leider Ex-Freund) seine Meinung von "Wenn du keine Kinder möchtest dann bekommen wir eben keine. Ist doch voll ok!" zu "Was, wenn ich doch später Kinder will? Ich kann dir da nichts zusagen." änderte (besser so früh als in 10 Jahren, nicht wahr?), wurde ich doch dazu getrieben, mir Gedanken, über das Thema "Fehlender Kinderwunsch" zu machen.

Ich möchte dazu sagen, dass nicht alle Frauen die keine Kinder wollen, auch Kinder hassen. Viele von "uns" lieben Kinder. Es gibt nur einfach keinen Kinderwunsch.

Ich könnte mich jetzt durch wissenschaftliche Werke wälzen, um zu erfahren, ob das biologische Hintergründe hat, aber das werde ich nicht. Stattdessen werde ich eine erneute Selbstanalyse starten. Es ist natürlich zu beachten, dass sich all das nur auf meine Person bezieht. Jede Frau hat andere Gründe.

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Wie gesagt, mochte ich deutlich jüngere Kinder schon in meiner eigenen Kindheit nicht. Babys fand ich noch nie süß, nur belastend. Das Schreien, das Lachen, jegliche Geräusche, die von diesen kleinen Menschen ausgehen, lösen eine enorme Anspannung in mir aus. Meine Laune kippt ins Negative und ich verspüre einen totalen Fluchtinstinkt. Seit ich denken kann.

Vielleicht liegt es an den weiblichen Hormonen, dass einige Frauen keinen Kinderwunsch haben. Dann mach ich mir hier zwar unnötigerweise Gedanken, aber dennoch lerne ich in Selbstanalysen extrem viel über mich.

Vielleicht bin ich auch einfach ... bio-modern? Die Natur lässt uns mit einem Vermehrungsdrang auf der Welt existieren. Vielleicht bin ich also genetisch ein solches Wrack, dass mein Körper keine Vermehrung zulassen möchte? Natürlich gibt es bei den Menschen auch viele genetische Wracks, die Kinder in die Welt setzen. Also.. bin ich bio-modern? Ich möchte von diesem biologischen Denken Abstand halten, also weiter im Klartext.

1. Seit vielen Jahren ist es mein Lebenstraum, Psychologie zu studieren. Psychptherapeutin zu werden. Psycoanalytikerin. Ich mache aktuell eine Ausbildung, da ich für die Erfüllung meines Traumes Wartesemester sammeln muss. Rechnen wir also hoch..

Ich werde mit 23 meine Ausbildung beendet haben. Gehen wir doch einmal davon aus, dass ich dann noch ein Jahr in dem Beruf bleibe, um Geld zu verdienen und das Gelernte zu verfestigen. Dann bin ich 24.

Es folgt das Studium. 5,5 Jahre Regelzeit. Doch wer beendet sein Studium schon in Regelzeit. Rechnen wir hier also überoptimistisch mit 7 Jahren. Dann bin ich 31.

Es folgt eine 5-jähige Therapeutenausbildung. Inzwischen bin ich also 36.

Dann heißt es endlich Geld verdienen, dass man nicht mehr in eine Ausbildung steckt. Das Gelernte verfestigen. Ich würde also mit 39..40 Jahren da angekommen sein, wo ich hin will.

Schrecklich, wenn man das so liest.

Wir haben also eine 40jährige Frau, die nun krampfhaft versuchen soll, noch Kinder zu bekommen. Studien zufolge ist eine Schwangerschaft in diesem Alter recht selten. Hormonbehandlungen, Enttäuschungen, Versuche auf jeglichen Ebenen und und und.. Eine pure Belastung.

Vielleicht findet ihr es ja egoistisch, dass ich meine Karriere vor meinen "Kinderwunsch" stelle, aber soll ich nicht auch glücklich sein? Zufrieden mit mir selbst? Meinen Kind finanziell etwas bieten können? Für mich geht die Erfüllung dieses Lebenstraums eindeutig vor menschlichem Nachwuchs. Ich habe jedoch auch die emotionale Belastung angesprochen. Führen wir das etwas genauer aus..

2. Selbst, wenn ich das Studium also für die Geburt eines Kindes unterbrechen würde, ist meine Borderline-Erkrankung zu beachten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn ein Elternteil an Borderline erkrankt ist. Selbstverständlich muss ich nicht so ein Elternteil sein, wie mein Vater es ist, aber das Risiko ist da. Ich würde mein Kind den ständigen Belastungen meiner Krankheit aussetzen und es könnte selbst erkranken. Kein Mensch soll erfühlen müssen, was ich empfunden habe.

3. Ich bin ein freiheitsliebender, spontaner Mensch. Ein Kind passt da nicht hinein. Ich möchte nicht 95% des Tages mit der Kinderbetreuung verbringen. Ich möchte nicht, an Babysitter gebunden sein. Ich möchte mein eigenes Leben haben und nicht zu einem "Wir" verwachsen, wie viele Eltern es tun. Wenn ein Kind erst einmal in meinem Leben ist, ist die Freiheit vorüber. Ich kann nicht einfach für ein paar Tage abtauchen, um Abstand von Dingen zu nehmen, die meine Symptomatik verstärken. Ich wäre gebunden. "Liebe ist ein Kind der Freiheit." Ich bin es auch. Ein Kind der Freiheit. Ein Kind der Freiheit - ohne Kind.

4. Eine Schwangerschaft verändert den Körper ungemein. Ich hasse mich. Ich hasse meinen Charakter, mein Aussehen und eigentlich meinen gesamtne Körper. Nur eines mag ich: meinen Bauch. Ich brauche euch nicht zu erklären, wie ein Frauenbauch nach einer Schwangerschaft aussieht. Mein so schon vollends gebrochenes Selbstbild würde einen letzten Tritt bekommen. Ich würde depressiv werden. mein Kind würde leiden.

5. Ich gehöre zu den wenigen meines Alters, die nicht gegen Gebärmutterhalskrebs geimpft sind. Natürlich muss ich diesen Krebs nicht bekommen, aber das Risiko ist da. Falls ich Mutter werden möchte, müsste ich also "bald" Mutter werden, denn falls ich erst einmal erkranke, ist es zu spät. Ihr seht? Wir landen wieder bei 1. !

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Es gibt sicherlich noch viele weitere Punkte, die meine Einstellung zumindest begünstigen. Doch das hier waren die für mich offensichtlichsten. Vielleicht ist auch nichts davon ein Grund. Wer weiß das schon? Ich weiß nur eins: Ich möchte keine Mutter werden. Ich möchte keine Kinder.

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Viele von euch werden nun schockiert sein. Mich verachten oder verurteilen. Viele werden aber auch da sitzen und sich in meinen Worten wiederfinden. Diesen habe ich zu sagen: Ihr seid nicht alleine. Es gibt eine große Anzahl an Frauen, die denken wie wir. Man kann auch ohne Kind glücklich werden. Jeder Mensch sollte das Recht haben, seine eigene Lebensphilosophie zu finden. Ich habe meine gefunden. Ich will keine Mutter werden. Ich weiß, ich werde damit früher oder später auf viele böse Worte treffen, doch letztendlich ist es mein Leben, ich bin ich und die sind die.

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Übrigens hat er seine Worte inzwischen zurückgezogen. Keine Kinder zu bekommen, sei doch ok. Ich habe mich trotzdem gegen diesen Mann entschieden. Er hat Recht. Was, wenn er in 10 Jahren doch anders denkt? Mich verlässt, um doch noch Vater zu werden? Und selbst wenn nicht, wird es jedes Mal mein Herz brechen, ihn mit einem Kind zu sehen und zu wissen, dass er wegen mir später kein eigenes haben kann. Manchmal muss man auch solche Entscheidungen treffen, doch niemals sollte man jemanden wegen der eigenen Lebensphilosophie in seiner einschränken.

20.5.16 09:09

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